Notfall: Zahnpatienten
Zahnschmerzen sind äusserst unangenehm. Das gilt nicht nur für uns, sondern auch für unsere tierischen Patienten. Notfallmässig treten vor allem Zahnfrakturen, oder Wurzelabszesse auf. Bei Zahnfrakturen unterscheidet man zwischen unkomplizierten und komplizierten Frakturen.
Bei ersteren ist nur die Zahnkrone, respektive der Schmelz betroffen, ohne dass der Wurzelkanal eröffnet ist. Dies bleibt oftmals unbemerkt und ist meist nicht mit Schmerzen verbunden. Je nach Lokalisation kann der Zahn belassen werden, oder allenfalls als zusätzlicher Schutz, überkappt werden. Der Zahn soll anschliessend regelmässig kontrolliert werden, da eine erhöhte Gefahr besteht, dass bei einem weiteren Trauma der Wurzelkanal trotzdem noch eröffnet wird.
Bei einer komplizierten Kronenfraktur ist hingegen die Pulpa eröffnet und der Wurzelkanal liegt frei. Wenn die Fraktur frisch bemerkt wird, sollte schnell reagiert werden, bevor es zu einer Infektion kommt. Je nach Fall kann der Zahn nach Vorbehandlung mit Antibiotika und Schmerzmitteln repariert und erhalten werden.
Wichtig zu wissen: Zahnfrakturen bei Welpen am Milchzahngebiss sollten wegen den noch nicht verschlossenen Wurzeln immer als Notfälle behandelt werden, da die Gefahr besteht, dass Schäden am zukünftigen permanenten Gebiss entstehen!
Öfters werden aber komplizierte Zahnfrakturen erst nach einer unbekannten Zeit als Zufallsbefund entdeckt, oder weil das Tier plötzlich zunehmende Schmerzen, oder Infektionsanzeichen zeigt. Dies, weil Bakterien in die Pulpa eingetreten sind und zu einem Wurzel-Abszess oder zu einer Infektion geführt haben (wie zum Beispiel auf dem Bild im Beitrag sichtbar). Manchmal ist eine typische Schwellung am Kiefer, oder unter dem Auge sichtbar und die Besitzer denken zuerst gar nicht, dass die Ursache ein Zahn sein könnte.
In diesen Fällen bleibt als Therapie nur die Extraktion des betroffenen Zahnes und die Behandlung des Abszesses.
Meistens sehen wir unsere Tierzahnpatienten aber nicht als Notfälle. Vielmehr bemerken die Besitzer über eine längere Zeit, dass sie mehr speicheln, vermehrten Zahnstein, oder Mühe beim Fressen haben, oder auffällig aus dem Maul stinken. Die Symptome sind nicht immer deutlich und können lange unbemerkt bleiben, da es die Tiere nicht kommunizieren können. Das heisst aber nicht, dass die Tiere nicht an Zahnschmerzen leiden! Oft bemerken die Besitzer erst nach einer Zahnbehandlung den Unterschied in der Lebensqualität.
Zahnprobleme bei Hunden und Katzen sind in unserem Alltag sehr häufig. Regelmässige Zahnkontrollen und Pflege kann sich deutlich positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirken. Dabei unterscheiden sich Hunde und Katzen in den typischen Krankheitsbildern. Auch hier gilt: Katzen sind nicht kleine Hunde!
Wir werden in Zukunft in separaten Beiträgen mehr zur Tierzahngesundheit berichten.