Notfall: Darmverschluss / Ileus
Darmverschluss (auch Ileus genannt) ist bei Hunden und Katzen ein regelmässig auftretender Notfall. Dabei gibt es verschiedene Ursachen warum die Darmpassage blockiert und/oder der Inhalt nicht weitertransportiert werden kann. Man unterteilt dabei zwischen mechanischer Blockade (beispielsweise Fremdkörper, Tumore, oder Verdrehung des Darms) und funktionellen Ursachen, was bedeutet, dass der Darm zwar durchgängig ist, aber die Darmmotorik (Peristaltik) nicht arbeitet und es so zur Blockade kommt (auch paralytischer Ileus genannt). Dies kann durch schwere Entzündungen (z.B. bei Pankreatitis, oder Gastroenteritis) oder andere Grunderkrankungen, Intoxikationen, oder auch z.B. nach Medikamenten oder Operationen/Narkosen entstehen.
Typische Symptome eines Darmverschlusses sind (heftiges) Erbrechen, Bauchschmerzen, Übelkeit, allgemeine Schwäche, Dehydratation, Inappetenz, oder auch fehlender, oder nur sehr wenig Kotabsatz.
Diese Symptome können aber alle auch bei anderen Erkrankungen auftreten!
Als Tierarzt/Tierärztin ist neben einem gründlichen klinischen Untersuch auch die Erfragung der Vorgeschichte relevant. Zum Beispiel wie akut es aufgetreten ist, ob schon länger Symptome bestehen, ob das Tier gerne Spielzeuge, oder Anderes zusammen frisst, ob gar etwas im Haushalt fehlt, ob zuvor Durchfall oder andere Krankheitssymptome aufgetreten sind, etc. Dies kann allenfalls wichtige Hinweise geben (da unsere Patienten nicht selber sprechen können).
Anschliessend sind Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen wichtige Hilfsmittel, um einen allfälligen Darmverschluss zu diagnostizieren. Blutuntersuchungen können zusätzliche Hinweise geben auf Entzündungen, Dehydratation, oder Mitbeteiligung von Organen (z.B Pankreas, Nieren, etc.)
Bei einem Ileus sind typischerweise deutliche Aufgasungen und Flüssigkeitsansammlungen ersichtlich. Ist die Ursache ein Fremdkörper, kann dieser allenfalls im Röntgen oder Ultraschall gesehen werden. Aber Vorsicht: Längst nicht alle Fremdmaterialien lassen sich im Röntgen darstellen! Während Knochen, Steine, oder Metall gut ersichtlich sind, kann man z.B. Plastik oder Holz nicht sehen. Manchmal ist auch eine Röntgenstudie mit Kontrastmittel sinnvoll, um einen allfälligen Verschluss darzustellen.
Bei einem mechanischen Ileus ist praktisch immer eine Operation nötig. Die häufigste Ursache dafür sind Fremdkörper (Spielzeug, Maiskolben, Holz, Schnüre, Plastik, etc.). Dabei wird der Darm eröffnet und der Fremdkörper entfernt. In manchen Fällen müssen auch geschädigte Darmteile reseziert werden, oder der Darm ist bereits rupturiert, was zu einer gefährlichen Bauchfellentzündung führen kann. Ist ein Darmtumor die Ursache, wird ein Teil des Darms mit genügend Abstand zum Tumor mitentfernt und für eine Histologie eingesendet. Zudem muss geprüft werden, ob schon mögliche Metastasen in anderen Organen vorliegen. Auch Darmeinstülpungen oder – verdrehungen werden chirurgisch therapiert. Die Tiere bleiben nach der Operation stationär bis sichergestellt ist, dass der Darm wieder normal arbeitet und sie einen guten Allgemeinzustand haben.
Bei einem funktionellen oder paralytischem Ileus richtet sich die Therapie nach der Ursache. Die Therapie ist hier in den meisten Fällen medikamentell. Das Tier bleibt stationär und erhält zusätzlich intravenös Flüssigkeit und Spezialfutter bis sich die Darmtätigkeit wieder normalisiert.
Da die Ursachen eines Darmverschlusses so vielseitig sind, sind es auch die Krankheitsdauer und Prognose. Bei den meisten Tieren kann bei zeitnaher Diagnostik und Therapie eine vollständige Erholung erreicht werden.